Recruiting ist tot, lang lebe Recruiting!

Die Suche nach dem passenden Mitarbeiter ist mit eine der wesentlichsten Aufgaben im Personalwesen – und dabei mittlerweile auch eine der härtesten. Das klassische Recruiting von damals, also eine reine Schaltung von Stellenanzeigen, reicht heute bei weitem nicht mehr aus, um den richtigen Kandidaten vor die eigene Tür zu locken. Gesellschaftliche Veränderungen, der innovative Fortschritt und ein Wandel von Angebot und Nachfrage beeinflussen den Arbeitsmarkt enorm und zwingen die HR-Branche darauf zu reagieren. Doch wie sieht dies explizit im Recruiting aus? Welche Herausforderungen gibt es? Und welche neuen Strategien und Herangehensweisen können im Wandel der Kommunikation die Antwort auf den derzeitigen Fachkräftemangel sein?

Diese Fragen haben wir uns auch gestellt. Um herauszufinden, inwieweit sich das Recruiting von heute im Umbruch befindet, haben wir zu unserer zweiten Folge der HeavenHR Speaker Series Referenten aus den unterschiedlichen Branchen im HR-Bereich eingeladen und mit ihnen gemeinsam über aktuelle Entwicklungen gesprochen.

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Neue Wege Toptalente für sich zu gewinnen

Die besten Talente für sich zu gewinnen wird immer schwieriger – sowohl für junge aufstrebende, als auch große gestandene Unternehmen. Trends wie die Video-Bewerbung, das Social Media Talentscouting oder auch mobiles Recruiting sollen neue Wege ebnen und die HR-Welt revolutionieren. Wie unsere Speaker mit der Problematik umgehen und welche Ansätze sie im modernen Recruiting verfolgen, haben wir für Sie im wesentlichen zusammengefasst.

› Clemens Dittrich, Gründer & CEO von truffls

Wie schwer sich die erfolgreiche Jobsuche im heutigen Zeitalter herausstellt, weiß Clemens aus eigener Erfahrung. Nach Beendigung seines Studiums merkte der Hochschulabsolvent schnell, dass der nächste Traumjob nicht einfach so um die Ecke kommt. Bewerbungen kosten viel Zeit und bisherige Stellenbörsen hatten noch nicht zum perfekten Match geführt. Daraufhin entstand die Idee einer mobilen App, die passende Jobs für Suchende auf einem möglichst einfachen Weg anbieten soll – eine Stellenbörse à la Tinder. Dem Nutzer werden seinen Wünschen und Lebenslauf entsprechend Stellenausschreibungen vorgeschlagen, für die er sich per Swipe entscheiden oder ablehnen kann. Der Upload von Stellenanzeigen funktioniert auf sofortigem Weg innerhalb weniger Sekunden und verkürzt den Recruiting-Prozess für Unternehmen somit um ein Vielfaches. Im Zeitalter der mobilen Entwicklung war für Clemens der Schritt des mobilen Recruitings eine logische Schlussfolgerung. Zielgruppe dieser Plattform sind allen voran Akademiker, Anfang 30, die bereits im Berufsleben stehen und auf der Suche nach ihrem nächsten Karriereschritt sind. Denn genau diesen fehlt die Zeit, sich nach Feierabend stundenlang mit diversen Onlinebörsen auseinanderzusetzen.

› Frank Geßner, Gründer & CEO von 4scotty

Einst noch selbst Informatiker, heute Geschäftsführer eines Reverse Recruiting Marktplatzes für IT-Experten – Frank Geßner konnte im Laufe seiner Karriere genügend Erfahrungen im Recruiting, im Leiten von Teams und der Unternehmensführung sammeln. Dass sich die Personalbeschaffung vor allem im Tech-Bereich als keine einfache Aufgabe herausstellt, weiß Frank aus erster Hand. Der Markt hat sich im letzten Jahrzehnt deutlich verändert. Über die normalen Stellenanzeigen bewerben sich heutzutage kaum noch IT-Experten, es sind viel mehr die Unternehmen, die sich ins Zeug legen müssen und um die besten Talente„pitchen“. 4scotty soll dieses Problem lösen, indem es Arbeitgebern eine Plattform anbietet, auf der sie IT-Experten auf ihr Unternehmen aufmerksam machen können. Gleichzeitig erhalten Tech-Talente regelmäßige, auf ihr Profil zugeschnittene, Jobangebote, die im Regelfall innerhalb von 60 Tagen zum erfolgreichen Match führen. Auf die Frage hin, was er selbst gerne in Bewerbungsgesprächen immer wieder versucht aus seinen Kandidaten herauszukitzeln, gab er spannende Einblicke in seine Recruiting-Strategien und Herangehensweisen. Um herauszufinden inwieweit sich das Selbst- und Fremdbild eines Bewerbers unterscheidet, vergleicht er beispielsweise die Aussagen seiner Kandidaten mit denen seiner Referenzgeber.

› Lana Wittig, Marketing & Sales Manager bei Edition F

Aus der ursprünglichen Idee ein Magazin für Frauen anzubieten, das sich von den herkömmlichen unterscheidet, ist Edition F in kürzester Zeit zu einer digitalen Plattform auf vier Standbeinen herangewachsen. Neben inspirierenden Inhalten, Events zum Netzwerkaustausch und Webinaren zur Weiterbildung, spielt das Female-Recruiting eine große Rolle. Edition F verfolgt die Intention vor allem Frauen anzusprechen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und gut ausgebildet sind. In ihrem Vortrag kritisiert sie die immer noch bestehenden limitierten Aufstiegschancen für Frauen und thematisiert eine abweichende Pri­o­ri­sie­rung bei der Jobwahl zwischen Mann und Frau – „Frauen wollen das Gleiche wie Männer, nur anders.“ Damit Female-Recruiting erfolgreich funktionieren kann, zeigt Lana mithilfe von zwei Beispielen wie Stellenanzeigen (nicht) aufgebaut werden sollten. So reagieren Frauen vielmehr auf Adjektive, optische Reize und Textpassagen, die die Werte und Kultur eines Unternehmens beschreiben. Im Bezug auf den Anforderungskatalog empfiehlt Lana eine deutlich kürzere Auflistung von Key-Anforderungen, da Frauen sich Studien zufolge im Gegensatz zu Männern erst dann auf Jobs bewerben, wenn sie diese nahezu zu 100% erfüllen. Alle weiteren wichtigen Anforderungen können auch später im Bewerbungsgespräch geklärt werden.

› Arnim Wahls, Gründer & CEO von firstbird

Als letzter Anwärter kam Arnim Wahls zu Wort, der seine Karriere im Löwenkäfig einer Anwaltskanzlei begonnen hat. Im „War of Talents“ merkte er schnell, wie hilfreich persönliche Beziehungen und ein gut ausgebautes Netzwerk sein können. Mit diesem Wissen gründete er die Online-Plattform firstbird und konzentrierte sich auf eine der stärksten Kräfte in der Personalbeschaffung – die Mitarbeiterempfehlung. Zwar wird hier das Rad nicht neu erfunden, denn Mitarbeiterempfehlungsprogramme sind in vielen Unternehmen bereits Gang und Gebe, jedoch gibt es immer noch einige versteckte Fallen, die die Effektivität dieser Vorgehensweise bremsen. Infolgedessen zeigte Arnim anhand von 10 Tipps, wie firstbird mit diesen Schwierigkeiten umgeht und welche Lösungen sie in diesem Zusammenhang empfehlen. So thematisiert er beispielsweise falsche Motivationsansätze und die Handhabung von Prämien, das Fehlen eines Informationsaustausches, soziale Netzwerke, das Stimmrecht der Mitarbeiter und das Bewusstsein darüber, dass es sich bei der Mitarbeiterempfehlung um eine Zusatzleistung handelt. So sollten Empfehlungen, die nicht zu einer erfolgreichen Anstellung geführt haben, dennoch honoriert werden. Auch wenn kein neues Talent mit an Board geholt wurde, hat zumindest eine Sache ganz gut funktioniert: Erfolgreiches Employer Branding.

Schlussendlich erfolgt die Vermittlung von qualifiziertem Personal über die Mitarbeiterempfehlung deutlich schneller und kostengünstiger als über den sonstigen klassischen Recruiting-Prozess. Und irgendwie kennen wir das ja alle: Einer Restaurantempfehlung eines Freundes folgen wir viel lieber, als uns willkürlich einen freien Platz in einem Restaurant zu suchen.

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Wie auch beim letzten Mal, haben wir uns über die spannenden Einblicke in die aktuellen Entwicklungen der HR-Welt sehr gefreut und bedanken uns herzlich bei den Wortführern des Abends! Das nächste Event der HeavenHR Speaker Series findet am 24. August im Mindspace am Gendarmenmarkt statt. Dieses findet wieder auf Englisch unter dem Motto „It‘s a man‘s world! Is it really? – How female entrepreneurs made their dreams become reality in a male dominated startup world“ statt. Wir freuen uns über die Referentinnen von Kale&Me, Careship, Kitchen Stories und Redstone Digital. Folgen Sie uns für regelmäßige Updates auf Facebook und Twitter.

Eine Zusammenfassung unseres ersten Events der HeavenHR Speaker Series zum Thema Personal- und Teamentwicklung finden Sie hier.


#HHRSPEAKS #HHRSPEAKERSERIES #Recruitingstrategies
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