Arme Schlucker oder großes Geld? – Wie Mitarbeiter bei Start Ups und Corporates verdienen

Wer an Start Ups denkt, denkt schnell an ein junges dynamisches Team und vergessen wir dabei nicht all die Innovation, die dabei im Arbeitsalltag an den Tag gelegt wird. Von Eigenverantwortlichkeit und Freiraum mal ganz abgesehen.

Corporates dagegen bestechen vor allem durch langjährige Strukturen und eine gewisse Sicherheit. Vielleicht nennt der ein oder andere es auch steif oder altmodisch. Die eigene Entfaltung mag dabei zwar nicht unbedingt an erster Stelle stehen, aber die Gehaltsunterschiede zwischen Start Ups und Konzernen sind nach wie vor ein großes Thema.

Was also ist der große Unterschied zwischen den Gehältern?

Fachkräfte in Start Ups verdienen laut Studie im Durchschnitt 41.000 Euro pro Jahr. Kolleginnen und Kollegen aus klassischen Unternehmen kommen hingegen auf ein Bruttojahreseinkommenvon 57.500 Euro. Das macht ganze 16.500 Euro Unterschied – und das schließt Boni oder sonstige Prämien noch nicht einmal ein.

Corporates bieten meist gewisse finanzielle Sicherheiten, was sich auch in den Prämien bemerkbar macht. Sei es die Fahrtkostenerstattung, ein 13. Gehalt oder ein Kita-Zuschuss. Fakt ist aber,, dass auch Start Ups in der Lage sind gewisse Prämien zu bieten: Sie tun es einfach nur nicht so häufig.

Gibt es sonst noch Unterschiede oder ist alles gar nicht so anders wie es immer scheint?

Befristete Verträge

Was bei Start Ups durchaus üblich ist, scheint aber auch bei Corporates kein Sonderfall mehr zu sein. Mehr als 3 Millionen Menschen arbeiteten letztes Jahr mit befristeten Arbeitsverträgen. So viele wie nie zuvor. Jedoch muss das nichts Schlechtes bedeuten: Laut den Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung  (IAB) werden viele Arbeitnehmer nach einem befristeten Arbeitsvertrag übernommen. Auch das passiert öfter als je zuvor. Befristete Arbeitsverhältnisse boomen und sind somit nicht mehr nur auf Start Ups zu münzen.

Provisionen

Wer gute Arbeit in seinem Job leistet, der kann auch auf eine Provision hoffen. Trotzdem verbindet man Provisionen eher schnell mit Banken oder Versicherungen – ganz und gar nicht mit Start Ups, aber gerade dort sind Provisionen oder Zuschläge gang und gäbe geworden. Bei Start Ups ist es die Regel, dass die Grundgehälter eher niedrig sind, dafür werden aber monatliche Provisionen ausgeschüttet. Je nach Erfolg des Mitarbeiters ist es sogar möglich einen ähnlichen Verdienst wie in einem Großunternehmen zu erzielen, was den meisten wohl gar nicht bewusst it. Start Ups haben so aber oft die Möglichkeit, die Personalkosten niedrig zu halten und doch ihre Mitarbeiter zu motivieren.

Prämien

Prämien in Start Ups sucht man meist vergebens. Dafür sind Prämien schlicht und ergreifend zu heikel. Ein Grund dafür sind unter anderem die befristeten Arbeitsverträge, die in der Start Up Szene nun einmal gängig sind. 56 Prozent der Beschäftigten mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen zu Weihnachten eine Sonderzahlung, befristet beschäftigte Arbeitnehmer nur zu 45 Prozent. Dabei bekommen sogar mehr Männer Sonderzahlungen als Frauen. In einem Großunternehmen werden diese Zahlungen meist im Vertrag festgelegt und Auszahlungstermine vereinbart. Beispielsweise werden immer im Juli (Urlaubsgeld) oder im November (Weihnachtsgeld) die Prämien ausgezahlt. So kann der Mitarbeiter immer fest damit rechnen. Bei einem Start Up sind diese Zahlungen eher erfolgsabhängig und in Form von Provisionen zu finden.

ESOP

Was in Start Ups dafür eher zu finden ist, ist die sogenannte Mitarbeiterbeteiligung, auch ESOP(Employee Stock Ownership Plan) genannt. Damit kann eine Beteiligung am Unternehmen, eine Aktie oder andere Mittel zur Vermögensbildung gemeint sein.

Betriebliche Altersvorsorge

Viele Großunternehmen bieten eine Beteiligung an einer betrieblichen Altersvorsorge an. Diese betriebliche Altersvorsorge (BAV) hat aber auch Auswirkung auf die monatliche Abrechnung der Mitarbeiter. Im Gegensatz zu einer Altersvorsorge, welche nicht über die Abrechnung läuft, spart der Arbeitnehmer auch bares Geld – der Betrag wird dem Gesamtbrutto nicht hinzugerechnet, somit spart das Lohn-, (eventuell) Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag.

Vermögenswirksame Leistungen

Auch sogenannte vermögenswirksame Leistungen (VWL) sind oft in Gehaltsabrechnungen von Großunternehmen zu finden. Angestellte, die nur Start Up Verhältnisse gewohnt sind, hören solche Begriffe dann meist zum ersten Mal.

Ähnlich wie eine betriebliche Altersvorsorge gibt es viele Unternehmen, die Ihre Mitarbeiter bei diesen vermögenswirksamen Leistungen unterstützen. Hierzu gehört beispielsweise der Abschluss eines Bausparvertrages. Dieser Zuschuss wird wie normales Gehalt an den Mitarbeiter gegeben, d.h. Steuer und Sozialversicherung müssen hier noch durch den Arbeitgeber einbehalten und abgeführt werden.

Steuerfreie Sachbezüge

Ein dritter großer Punkt für die Corporates sind die steuerfreien Sachbezüge, die Start Ups selten bieten. Ein steuerfreier Sachbezug wird vom Arbeitgeber auf freiwilliger Basis an seine Arbeitnehmer gezahlt. Geregelt sind Sachzuwendungen im Einkommensteuergesetz (EStG) in § 8 Absatz 2, Sätze 1 und 9. Andere Sachbezüge kann es auch in Form von Gutscheinen oder einer Prepaid Mastercard geben. Diese Geschenke haben, im Gegensatz zu Sonderzahlungen oder Lohnerhöhungen, den Vorteil, dass sie innerhalb bestimmter Grenzen steuer- sowie sozialversicherungsfrei sind. Bis zu € 44,00 monatlich können somit an den Mitarbeiter abgabenfrei erfolgen. Solche Sachbezüge sind im Gegensatz zu einer Gehaltserhöhung günstiger, da das Unternehmen keine Abgaben zu leisten hat.

Unbegrenzte Urlaubstage

Was Start Ups den Großunternehmen voraus haben, ist die höhere Bereitschaft Neues auszuprobieren. Denn momentan setzt sich ein gewisser Trend durch: Immer mehr Unternehmen führen die Regelung zu unbegrenzten Urlaubstagen ein. Studien haben ergeben, dass diese Art der flexiblen Urlaubsplanung nicht unbedingt bedeutet, dass die Mitarbeiter sehr viel mehr Urlaub nehmen als gewöhnlich. Meist sind es im Schnitt nur 3-4 Tage. Allerdings steigert es die Arbeitsmotivation, Angestellte fühlen sich durch das Maß an Vertrauen mehr wertgeschätzt und sind produktiver. Bei den ,oft festgefahrenen, Strukturen in Corporates findet das System bei weitem nicht so viel Anklang wie es bei Start Ups der Fall ist.

Probeabrechnung für ein Start Up Gehalt.
Probeabrechnung für ein Gehalt bei einem Großunternehmen.

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