Was ist die Brückenteilzeit und wer kann sie nutzen?

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Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt: 50 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen würden ihre Arbeitszeit gern um mindestens 2,5 Wochenstunden verkürzen. Für manche Arbeitnehmer könnte sich dieser Wunsch nun bewahrheiten:
Mit den Änderungen im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) wird das möglich. Somit können Vollzeitarbeitende für ein bis fünf Jahre in die befristete Teilzeit gehen. Das neue sogenannte „Brückenteilzeitgesetz“ ist zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten.

Doch was genau steht in diesem Gesetz und wer kann eine Brückenteilzeit in Anspruch nehmen?

Was ist die Brückenteilzeit?

Bisher war es für Beschäftigte, die sich in einer Teilzeitstelle befanden oder erwogen in Teilzeit zu gehen, schwierig anschließend zurück in die Vollzeitstelle zu wechseln. Vielen Unternehmen war es aus planungstechnischen und finanziellen Gründen nicht möglich, die Beschäftigten im Anschluss Vollzeit einzustellen. Vor allem Frauen steckten nach der Elternzeit oft in einer Teilzeitfalle fest.

Durch das neue Gesetz soll die Rückkehr zur Vollzeitstelle für Arbeitnehmer wieder erleichtert werden. Der neue Rechtsanspruch auf die sogenannte „Brückenteilzeit“ ist allerdings nicht an einen bestimmten Grund geknüpft – So können auch Arbeitnehmer, die einfach mehr Zeit für ihr Privatleben haben möchten, die Brückenteilzeit beantragen. Die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind keine ausschlaggebenden Argumente für eine Beantragung.

Welche Voraussetzungen sind für die Brückenteilzeit nötig?

Wer darüber nachdenkt die Brückenteilzeit zu beantragen, muss sich vorher jedoch festlegen: Während der Brückenteilzeit ist keine weitere Verringerung, Erhöhung oder vorzeitige Rückkehr zur ursprünglich vertraglich vereinbarten Arbeitszeit möglich. Das heißt, dass der Arbeitnehmer von Anfang an genau angeben muss, wie lange er die Brückenteilzeit in Anspruch nehmen möchte. Die Brückenteilzeit kann zudem nicht auf verschiedene Zeiträume aufgeteilt werden, wie es bei der Elternzeit der Fall ist. Sollte der Arbeitnehmer sich beispielsweise dafür entscheiden drei Jahre in die Brückenteilzeit zu gehen, hat er im Anschluss keinen Anspruch auf weitere zwei Jahre. Der Antrag kann daher nur einmalig gestellt werden. Damit erhalten Arbeitgeber Sicherheit bei der Personalplanung.

„Von diesem Gesetz profitieren die Beschäftigten und auch die Unternehmen, weil sie mehr Flexibilität und Sicherheit erhalten“, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zu der Thematik.

Das Arbeitsverhältnis muss bereits länger als sechs Monate bestehen. Dazu muss die Teilzeit spätestens drei Monate vor Beginn beantragt werden. Der Antrag ist dabei einfach in Textform an den Arbeitgeber zu stellen – zum Beispiel per E-Mail oder per Brief.

Die Neuregelung gilt zudem auch für Beschäftigte, die bisher unbefristet in Teilzeit arbeiten und ihre Arbeitszeit verringern wollen. Nach der Brückenteilzeit kehren die Arbeitnehmer aber wie gehabt in die Teilzeit zurück und haben keinen Anspruch in eine Vollzeitbeschäftigung zu wechseln.

Kann jeder Brückteilzeit beantragen?

Die Antwort hier ist ganz klar: Nein. Kleine Unternehmen mit bis zu 45 Beschäftigten sind von der neuen Brückenteilzeitregelung ausgenommen, um sie mit dem neuen Gesetz nicht zu überfordern. Deren Beschäftigte haben somit keinen Rechtsanspruch auf befristete Brückenteilzeit.

Nur Unternehmen, die 46 oder mehr Mitarbeiter beschäftigen, können von der Regelung profitieren. Der Arbeitgeber wird außerdem dazu verpflichtet, den Veränderungswunsch der Arbeitszeit mit der Arbeitnehmerin oder dem Arbeitnehmer zu besprechen. Die Entscheidung über den Antrag muss spätestens bis zu einem Monat vor dem gewünschten Beginn schriftlich mitgeteilt werden. Sollte bis dahin keine Rückmeldung erfolgt sein, kann auf Wunsch der Beschäftigten der Personal- oder Betriebsrat hinzugezogen werden.

Das heißt allerdings nicht, dass der Arbeitgeber jedem Antrag zustimmen muss. In der Regel gilt, dass auf 15 Beschäftigte einem Antrag stattgegeben werden muss. Hat ein Unternehmen beispielsweise 50 Mitarbeiter, muss es nur 3 Anträgen, die in denselben Zeitraum fallen, bewilligen.

Abschließend ist festzuhalten, dass mit dem Brückenteilzeitgesetz zwar ein Schritt in die richtige Richtung gemacht wird, aber ein Drittel aller Beschäftigten in Deutschland aufgrund der Betriebsgröße von dieser Regelung weiterhin ausgeschlossen sind.

– geschrieben von Sophia Scheffler (HeavenHR Marketing)

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