Weihnachtsgeld – Wer erhält es und wer kriegt wie viel?

Die Weihnachtzeit bringt in aller Regel vor allem eines nicht: Ruhe. Schuld daran sind nicht nur das stressige Geschenke-Shopping, private wie berufliche Weihnachtsfeiern und Glühweinabende auf dem Weihnachtsmarkt mit Freunden, sondern auch die Tatsache, dass in vielen Unternehmen zum Jahresabschluss noch vieles geschafft werden soll, was während des Jahres auf der Strecke blieb. Überstunden sind das Resultat. Gleichsam als „Entschädigung“ für den zusätzlichen Stress bekommt der Arbeitnehmer jedoch eine ebenso vielbeschworene wie beliebte Kompensation: Das dreizehnte Monatsgehalt, das Weihnachtsgeld! – Oder?

Bekommt jeder Arbeitnehmer Weihnachtsgeld?

Sitzen Sie nun augenrollend vor Ihrem Laptop oder mobilen Endgerät, auf dem Sie diesen Blogartikel lesen, seien Sie beruhigt: Sie sind nicht allein, wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber diesen Jahresabschlussbonus nicht gewährt. Nicht nur die Höhe des Betrags und der Zeitpunkt der Auszahlung, sondern auch die Frage, ob überhaupt ein Weihnachtsgeld gezahlt wird, ist nicht für jeden Arbeitnehmer pauschal zu beantworten. Denn grundsätzlich besteht kein gesetzlicher Anspruch auf ein Weihnachtsgeld. Es handelt sich um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers.

Der durchschnittliche Deutsche plant nach einer repräsentativen Telefonumfrage[1] des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY), in diesem Jahr 281 Euro für Weihnachtsgeschenke auszugeben. Einen Finanzzuschuss könnten viele Arbeitnehmer daher gut gebrauchen , doch ist nur etwa der Hälfte aller Arbeitnehmer hierzulande der zusätzliche Geldsegen überhaupt vergönnt. So lautet ein Ergebnis einer aktuellen Auswertung des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, veröffentlicht am 13.11.2019.[2] Über 139.000 Arbeitnehmer beteiligten sich von Anfang 2018 bis Oktober 2019 an der Onlinebefragung des Instituts.

Immerhin erhalten 76 Prozent der Tarifbeschäftigten, doch nur 42 Prozent der Arbeitnehmer in Betrieben ohne Tarifvertrag in Deutschland Weihnachtsgeld. Insgesamt ergibt das einen Anteil von 47 Prozent aller Arbeitnehmer, die leer ausgehen. Dies sind zwei Prozent mehr als in der Befragung des Vorjahres.[3] Zahlen tariflose Arbeitgeber Weihnachtsgeld, fällt dies laut den Ergebnissen der Auswertung des Tarifarchivs, meist deutlich geringer aus als jenes in tarifgebundenen Arbeitsverhältnissen.

Zu einem etwas optimistischen Bild gelangt das Statistische Bundesamt (Destatis, Pressemitteilung Nr. 426 vom 4. November 2019), das angibt, 86,9 Prozent der Tarifbeschäftigten würden Weihnachtsgeld erhalten – und zwar in durchschnittlicher Höhe von 2.632 Euro brutto.[4] Die Studie beruht auf der Auswertung von Lohn-, Gehalts- und Entgeltverträgen und bezieht sämtliche Jahressonderzahlungen ein, die in den Monaten November und Dezember gezahlt werden. Zu nicht tarifgebundenen Beschäftigungsverhältnissen äußert sich die Studie des Statistischen Bundesamtes allerdings nicht.

weihnachtsgeld-teaser

Wie viel Weihnachtsgeld steht mir zu?

Die Höhe des Weihnachtsgeldes ist nirgends allgemeingültig festgelegt. Es ist eine Sonderzuwendung, Zuwendung oder Sonderzahlung, eine Gratifikation, die manche Arbeitgeber bereit sind, zu gewähren. Nur für Beamte bestehen verbindliche Regelungen in Gesetzen des Bundes und der Länder. Für alle anderen Arbeitnehmer gilt, dass in einem der folgenden Dokumente eine entsprechende Vereinbarung getroffen worden sein muss:

  • Tarifvertrag
  • Arbeitsvertrag
  • Betriebsvereinbarung

In der Regel ist es von der Branche, vom konkreten Unternehmen und von der Dauer der Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters abhängig, wie hoch die Zuwendung ausfällt. Meist berechnen Arbeitgeber die Höhe des Weihnachtsgeldes über einen gewissen Prozentsatz des regulären Monats- oder Jahresgehalts, seltener zahlen Sie es als Festbetrag aus. Ob das Weihnachtsgeld bei einem Eintritt ins Unternehmen im Laufe des Jahres vollumfänglich, anteilig oder gar nicht gezahlt wird, hängt ebenfalls ganz von individuellen vertraglichen oder tarifvertraglich ausgehandelten Regelungen ab.

Einmal großzügig, auf ewig zur Zahlung verdammt?

Vorsicht sollten Sie als Arbeitgeber walten lassen, wenn Sie sich nicht rechtlich daran binden möchten, Ihren Arbeitnehmern regelmäßig Weihnachtsgeld auszahlen zu müssen: Legen Sie einen konkreten Betrag vertraglich fest, haben Arbeitnehmer auf Auszahlung dieses Betrags einen gesetzlichen Anspruch.

Doch auch, wenn der Arbeitnehmer in drei aufeinanderfolgenden Jahren Weihnachtsgeld zahlt, gilt dies als „betriebliche Übung“, woraus wiederum ein Anspruch der Arbeitnehmer auf Fortführung der Zusatzzahlung in den Folgejahren entsteht. Verhindern kann das ein Arbeitnehmer dadurch, dass er einen Freiwilligkeitsvorbehalt erklärt. Das heißt, er teilt mit der jeweiligen Auszahlung schriftlich mit, dass es sich um eine einmalige Leistung handelt und künftige Ansprüche ausgeschlossen sind.

Warum fällt das Weihnachtsgeld relativ gering aus?

Das Weihnachtsgeld gilt als „sonstiger Bezug“ und ist somit vollumfänglich steuer- und sozialabgabenpflichtig. Als Einmalzahlung ist es allerdings nicht dem Monat der Auszahlung zuzurechnen, sondern dem gesamten Jahr. Wenn Ihr Weihnachtsgeld also letztlich auf dem Papier hoch ausfällt und am Ende enttäuschend wenig davon übrigbleibt, ist dies leider völlig normal – der Fiskus hat die Hand aufgehalten. Ein Freibetrag ist nicht vorgesehen.

Übrigens: Die Studie des WSI hat auch untersucht, in welchen Branchen die höchsten Weihnachtssonderzahlungen erfolgen. Zwischen 95 und 100 Prozent des Monatseinkommens erhalten die Beschäftigten

  • des Bankgewerbes,
  • der Süßwarenindustrie,
  • der chemischen Industrie,
  • der Druckindustrie,
  • der Papier und Pappe verarbeitenden Industrie und
  • der Textilindustrie.

Wann wird Weihnachtsgeld ausgezahlt?

Wer vertraglich Anspruch auf die Weihnachtsgratifikation hat, darf sich fragen: „Wann gibt es Weihnachtsgeld?“ Auch in diesem Fall ist gesetzlich keine konkrete Vorschrift zu erwarten. Vielmehr greifen erneut vertragliche Vereinbarungen. In der Regel zahlen Arbeitgeber das Weihnachtsgeld allerdings mit der Gehaltszahlung für den November oder teils im November, teils im Dezember als Bonuszahlung aus.

weihnachtsgeld-textbild

Kann der Arbeitgeber das Weihnachtsgeld zurückfordern?

Gängige Praxis ist, dass nicht nur die Zahlung des Weihnachtsgeldes in einem Dokument festgehalten ist, sondern gleichzeitig auch eine sogenannte Stichtagsklausel. Diese besagt, dass ein Arbeitgeber das bereits ausgezahlte Weihnachtsgeld zurückverlangen kann, wenn der Arbeitnehmer bis zu einem bestimmten Stichtag oder binnen einer Frist das Unternehmen verlassen sollte. Das ist rechtlich einwandfrei.

Allerdings ist dabei von Belang, um welche Art einer Sonderzahlung es sich beim gezahlten Weihnachtsgeld im Detail handelt. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 13.11.2013 (10 AZR 848/12) hat das Weihnachtgeld nämlich einen „Mischcharakter“ und kann aus verschiedenen Gründen gezahlt werden. Der Arbeitgeber sollte dementsprechend kenntlich machen, ob es sich um ein Weihnachtsgeld oder ein 13. Monatsgehalt handelt. Der Unterschied ist folgender:

  • Weihnachtsgeld: In Reinform belohnt es die Betriebstreue eines Mitarbeiters.
  • 13. Monatsgehalt: Dieses Gehalt soll die im Jahresverlauf erbrachte Arbeitsleistung entlohnen.

Meist handelt es sich beim Weihnachtsgeld allerdings um eine Mischform dieser beiden Aspekte. Das Gericht hat entschieden, dass der Arbeitnehmer in diesem Fall, sollte er bis zu einem bestimmten Stichtag aus dem Unternehmen ausscheiden, durchaus auch Anspruch auf eine anteilige Zahlung des Weihnachtsgeldes bis zu diesem Zeitpunkt haben kann. Ist ein Stichtag in den AGB des Arbeitgebers formuliert, deutet dies nämlich darauf hin, dass es sich in dem Fall eher um ein leistungsbezogenes Entgelt handelt und nicht um ein reines Geschenk für die Betriebstreue. Macht der Arbeitgeber allerdings vertraglich kenntlich, dass es sich um eine reine Treueprämie handelt, kann der Arbeitgeber prinzipiell auf die Rückzahlung des Weihnachtsgeldes im Falle einer Kündigung pochen.

Seit wann gibt es Weihnachtsgeld?

Bereits im Jahr 1952 setzte die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) erstmals einen Tarifvertrag durch, der eine „Weihnachtszuwendung“ beinhaltete.[5] Diese Sonderzuwendung in Höhe von 100 DM am Jahresende sollte dazu dienen, den Beschäftigten und ihren Familien eine einfachere Finanzierung des Weihnachtsfestes und den Kauf von Geschenken zu ermöglichen.

Über die Jahre hinweg führten nach und nach zahlreiche weitere Branchen tarifvertragliche Bestimmungen über die Zahlung eines Weihnachtsgeldes ein, beispielsweise:

  • 1954 führt die IG Metall ein tarifvertragliches Weihnachtsgeld für die Metall- und Elektroindustrie ein.
  • 1971 führt das Bankgewerbe eine tarifvertragliche Regelung fürs Weihnachtsgeld ein.
  • 1974 erfolgt die tarifliche Jahresleistung für die Druckindustrie durch die IG Druck und Papier.
  • 1980 gelingt dem Einzelhandel die Festschreibung einer tariflichen Jahreszuwendung.

Die Festsetzung erfolgte in jedem Fall in unterschiedlicher Form, Höhe und unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Die Höhe heutiger Weihnachtsgratifikationen schwankt in der Regel zwischen 30 und 100 Prozent eines regulären Monatsbruttolohnes. Da ein einheitlicher gesetzlicher Anspruch auf Weihnachtsgeld bis heute nicht besteht, ist es natürlich auch unmöglich, Weihnachtsgeld zu beantragen.

 

– verfasst von Kai Aeneas Sulkowski (Redaktion HeavenHR)

 

 

[1] https://assets.ey.com/content/dam/ey-sites/ey-com/de_de/news/2019/11/ey-weihnachtsumfrage-2019-praesentation.pdf?download (aufgerufen am 18.11.2019)

[2] https://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2019_11_13.pdf (aufgerufen am 18.11.2019)

[3] https://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2018_11_13.pdf (aufgerufen am 18.11.2019)

[4] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/11/PD19_426_622.html (aufgerufen am 18.11.2019)

[5] https://www.verdi.de/themen/arbeit/aktionswoche-weihnachtsgeld-2013/++co++b58e8282-47bc-11e3-8e43-5254008a33df (aufgerufen am 18.11.2019)

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