Black Friday & Cyber Monday – Was tun, wenn Arbeitnehmer von der Online-Rabattjagd abgelenkt sind?

Shoppingfieber, Rabattjagd, erst analog, dann online. Eine gewaltige Welle schwappte bereits vor einigen Jahren über den Atlantik nach Europa. Black Friday und Cyber Monday sind die Tage an denen der Umsatz des stationären und des Online-Handels durch die Decke schießt und die den Startschuss für das alljährliche Weihnachtsgeschäft abfeuern. Nahezu jeder Online-Shop lockt mit verführerischen Rabattaktionen, die im restlichen Jahresverlauf vermeintlich ihresgleichen suchen.

In US-amerikanischen HR-Gazetten längst großes Thema: Wie gehe ich als Arbeitgeber mit Angestellten um, die einen Großteil des Arbeitstages auf Schnäppchenjagd sind und sich nicht mehr auf ihre Aufgaben konzentrieren?  Die Problematik sich der Shoppinglust hingebender Angestellter betrifft zunehmend auch deutsche Unternehmen und sorgt für einen wahrhaften Produktivitätsknick. Bewusst ist das vielen HR-Managern und Personalverantwortlichen allerdings noch nicht.

Das Phänomen „Workshopping“

Die Rabatte sind zeitlich begrenzt und die besten Schnäppchen schnell vergriffen. Die Suche nach begehrten Artikeln kostet allerdings auch online Zeit. Da es sich sowohl beim Cyber Monday als auch beim Black Friday um gewöhnliche Arbeitstage handelt, wird dies viele Verbraucher dazu verleiten, während der Arbeitszeit die Online-Shops zu durchstöbern und Bestellungen zu tätigen.

In den USA ist der Black Friday aufgrund des am vorangehenden Donnerstag stattfindenden Thanksgiving ein beliebter Brückentag, an dem viele Arbeitnehmer einen Urlaubstag einschieben. Doch am folgenden Cyber Monday gehen die meisten Beschäftigten wieder regulär ihrer Berufstätigkeit nach – sollten sie zumindest. Seit einiger Zeit beschäftigen sich nämlich Untersuchungen und HR-Magazine mit der Problematik, dass an diesem Tag shoppingbedingte Einbußen bei der Produktivität zahlreicher Unternehmen festzustellen sind.

Denn rund die Hälfte der nordamerikanischen Angestellten shoppen am Cyber Monday während der Arbeitszeit. 43 Prozent der Angestellten nutzen dabei firmeneigene Laptops, Computer, Tablets oder Smartphones für das sogenannte „workshopping“.[1] Klar, dass HR-Manager und Vorgesetzte dieses Verhalten nicht unbedingt gutheißen, auch wenn sie vielleicht selbst insgeheim der Shopping-Versuchung erliegen. Es ist nur logisch, dass dieses Verhalten von Angestellten mit zunehmender Popularität der Rabatttage auch in Deutschland vermehrt auftreten wird. Doch was sollte man als Arbeitgeber tun, wenn Angestellte heimlich „workshoppen“?

Was kann ich als Arbeitgeber tun?

Eines ist klar: Die sprichwörtliche Rute auszupacken und ein generelles Verbot auszusprechen, womöglich noch unter Androhung von Sanktionen, trägt in keinem Fall zu einem entspannten Betriebsklima und zur Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit bei. Auch das Sperren von Internetseiten oder die Überwachung der Online-Aktivitäten Ihrer Mitarbeiter schafft eine Atmosphäre des Misstrauens und vergiftet das Betriebsklima.

workshopping_02
Vom Chef erwischt: Mitarbeiter zu überwachen, öffentlich anzuklagen und zu bestrafen, sorgt nicht für eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre.

Dennoch können Sie einiges tun, um sowohl die Mitarbeitergunst als auch die Produktivität im Unternehmen zu erhalten. Oberste Maxime Ihres Handelns sollte immer sein: Nur wer Vertrauen schenkt, kann auf Vertrauen und Loyalität der Mitarbeiter hoffen.

  • Kommunizieren Sie klar, dass Sie davon ausgehen, dass ALLE Beschäftigten den Internetzugang des Unternehmens zum privaten Shopping nutzen. Stigmatisieren Sie dieses Verhalten allerdings nicht und stellen Sie nicht einzelne Angestellte heraus.
  • Fordern Sie die Angestellten dazu auf, die Zeit bewusst zu messen, die Sie zum privaten Shopping aufwenden, setzen Sie aber kein fixes zeitliches Limit.
  • Schenken Sie Vertrauen: Kommunizieren Sie, dass Sie sich darauf verlassen, dass die Arbeitnehmer ihre Arbeit gewissenhaft erfüllen und mit Ablenkungen wie Online-Shopping verantwortungsbewusst umzugehen wissen.
  • Lassen Sie jeden Mitarbeiter einen Tagesplan mit allen Aufgaben, sortiert nach Priorität, erstellen. Dies steigert die Motivation, sich selbst eine kleine Auszeit zu erarbeiten und damit zu „verdienen“ und schärft den Sinn für ein privates Zeitmanagement.
  • Weisen Sie die Mitarbeiter an, keine Programme herunterzuladen oder fadenscheinige E-Mail-Angebote zu öffnen.

Der US-amerikanische Karriereberater Martin Yate rät Vorgesetzten und Arbeitgebern: „Geben Sie Ihren Mitarbeitern nicht das Gefühl, sie müssten mit aller Macht versuchen, ihre virtuelle Shoppingtour zu verheimlichen. Nutzen Sie den Tag, um das Engagement Ihrer Mitarbeiter zu stärken.“[2] Er meint damit, offen die Thematik des Workshopping anzusprechen, ergäbe eine hervorragende Gelegenheit, das Thema IT-Sicherheit aufzugreifen. So können Arbeitgeber Ihre Mitarbeiter im Kontext des Cyber Monday auf Wichtigkeit sicherer Passwörter hinweisen oder darin schulen, wie sie Phishing-Websites oder andere Betrugsversuche im Netz identifizieren.

Tipp: Erklären Sie den Cyber Monday zum betriebsinternen Cyber Security Monday.

Info: Was ist der Cyber Monday?

„Cyber Monday“ ist ein geschützter Marketingbegriff. Er bezeichnet den Startpunkt des Weihnachtsverkaufs durch Online-Shops und ist die Antwort der digital Gewerbetreibenden auf den Black Friday. Dieser existiert schon länger und findet in den Vereinigten Staaten alljährlich am vierten Freitag im November, dem Tag nach Thanksgiving, statt.

Der Cyber Monday des Internethandels fällt auf den darauffolgenden Montag. Im Jahr 2019 ist dies der 2. Dezember. Seit der erstmaligen Austragung des „Black Friday“ unter diesem Namen in Deutschland im Jahr 2013 hat sich der Shopping-Aktionstag längst etabliert. [3] Hierzulande verläuft die Trennung von Black Friday und Cyber Monday allerdings weniger klar. Amazon verzichtet dieses Jahr gar ganz auf den Begriff des Cyber Monday und ruft gleich zu einer ganzen „Black Friday Woche“ auf. Online-Shops bieten also bereits am Black Friday und in den Tagen zuvor gleichermaßen satte Rabatte und läuten damit das Weihnachtsgeschäft ein.[4]

Interessiert das deutsche Verbraucher überhaupt?

Ja, und zwar in stetig und rasant zunehmendem Ausmaß! Der Handelsverband Deutschland (HDE) untersucht das Phänomen seit Jahren und rechnet dieses Jahr mit einem Gesamtumsatz von 3,1 Milliarden Euro am Black Friday und Cyber Monday, das sind 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Den Daten des HDE zufolge planen 23 Prozent der Deutschen, die Online-Shopping nutzen, am Cyber Monday Bestellungen zu tätigen. Am Black Friday planen gar 33 Prozent der Online-Shopper auf Pirsch zu gehen und die Angebote der Online-Shops zu durchstöbern. Jede Person wird dabei durchschnittlich 54 Euro ausschließlich über virtuelle Ladentheken wandern lassen.[5]

– verfasst von Kai Aeneas Sulkowski (Redaktion HeavenHR)

 

[1] https://www.shrm.org/resourcesandtools/hr-topics/technology/pages/what-hr-should-do-about-cyber-monday-shoppers.aspx (aufgerufen am 20.11.2019)

https://desktime.com/blog/employees-spend-2-3x-more-time-workshopping-on-cyber-monday-than-on-regular-workdays (aufgerufen am 20.11.2019)

[2] “It’s best not to force employees to feel like they have to sneak around to accomplish their shopping goals today. Embrace the day and use it to boost employee engagement.” In: https://www.shrm.org/resourcesandtools/hr-topics/technology/pages/what-hr-should-do-about-cyber-monday-shoppers.aspx (aufgerufen am 21.11.2019)

[3] https://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/black-friday-in-deutschland-rabattschlacht-bis-auf-die-knochen-a-934686-2.html (aufgerufen am 20.11.2019)

[4] https://www.infranken.de/freizeit-tourismus/einkaufen/blackfriday/black-friday-die-besten-angebote-bei-media-markt-ikea-nike-teufel-douglas-co;art172346,3867010 (aufgerufen am 20.11.2019)

[5] https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/12444-prognose-handel-setzt-an-black-friday-und-cyber-monday-3-1-miliarden-euro-um (aufgerufen am 20.11.2019)

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s