Krankheit und AU-Bescheinigung

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Krankheit und AU-Bescheinigung

Arbeitsunfähigkeit

Eine Erkrankung oder Verletzung ist nicht immer gleichbedeutend mit einer Arbeitsunfähigkeit. “Arbeitsunfähig” ist eine Person, wenn sie wegen einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung oder einer nötigen Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme nicht in der Lage ist, die bisherige Tätigkeit auszuüben oder den Krankheitszustand durch eine Arbeitstätigkeit verschlimmern würde. 

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU)

Erkrankt ein Arbeitnehmer, muss er sich seine Arbeitsunfähigkeit von einem Arzt attestieren lassen. Der Nachweis für die Arbeitsunfähigkeit ist die Krankschreibung, auch gelber Schein oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) genannt, die er dem Arbeitgeber vorlegen muss.

Das Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) regelt, wie sich ein Beschäftigter im Krankheitsfall verhalten muss. Ta­rif­verträge, Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und auch der Ar­beits­ver­trag können zusätzlich Rech­te ent­hal­ten, auf die sich Arbeitnehmer im Krank­heits­fall be­ru­fen können. 

Generell gilt, dass der Arbeitnehmer dazu verpflichtet ist, dem Arbeitgeber unverzüglich am ersten Krankheitstag zu Arbeitsbeginn die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer mitzuteilen, um eine entsprechende Koordinierung der anstehenden Termine und liegengebliebenen Aufgaben zu ermöglichen. 

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss dem Arbeitgeber laut Gesetz bei einer Krankheit, die länger als drei Tage andauert, spätestens am vierten Krankheitstag vorliegen.* Im Arbeitsvertrag kann diese Frist allerdings verkürzt werden und der Arbeitgeber darf schon am ersten Krankheitstag eine Krankschreibung verlangen. Um sich zu vergewissern, ab wann Sie eine AU benötigen, sollten Sie deswegen Ihren Arbeitsvertrag prüfen. Ist absehbar, dass die Erkrankung mehrere Tage andauern wird, empfiehlt es sich, sich gleich am ersten Krankheitstag in ärztliche Behandlung zu begeben und einen entsprechenden Nachweis zu erhalten.

Entgeltfortzahlung

Reicht ein Arbeitnehmer seine Krankschreibung fristgerecht ein und ist die Arbeitsunfähigkeit unverschuldet, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung und erhält für die entsprechende Zeit (maximal sechs Wochen) sein Gehalt in voller Höhe vom Arbeitgeber. ** Unter der Voraussetzung, dass es sich je­des Mal um ei­ne an­de­re Krank­heit handelt und die folgende Krank­heit erst entstand, wenn die vor­he­ri­ge Ar­beits­unfähig­keit be­en­det ist, besteht mehr­fach hin­ter­ein­an­der ein Anspruch auf je­weils sechs Wo­chen Ent­gelt­fort­zah­lung.

Bei einer länger andauernden Erkrankung übernimmt bei einer gesetzlichen Versicherung die Krankenkasse mit dem sogenannten “Krankengeld”. Die Höhe des Krankengeldes hängt von der jeweiligen Einkommenshöhe ab, liegt normalerweise zwischen 70% des Brutto- und 90% des Nettogehalts. Das Krankengeld für dieselbe Krankheit wird maximal 78 Wochen gewährt. Angestellte im öffentlichen Dienst bekommen darüber hinaus unter bestimmten Bedingungen einen Krankengeldzuschuss für maximal 39 Wochen.

Achtung: Nicht jeder Versicherte hat im Falle einer länger andauernden Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Krankengeld, dazu gehören:

  • Familienversicherte
  • Pflichtversicherte (Bsp. Studenten, Praktikanten, Hartz-4-Empfänger)
  • Rentenbezieher (Erwerbsminderungsrente, Vollrente oder Erwerbsunfähigkeitsrente)
  • Freiwillig versicherte Selbstständige

Als pri­vat ver­si­cher­ter Ar­beit­neh­mer besteht anders als bei gesetzlich Versicherten ein An­spruch auf “Kran­ken­ta­ge­geld” auf unbegrenzte Zeit oder bis zum Eintritt einer Berufsunfähigkeit, was al­ler­dings vor­aus­setzt, dass ei­ne ent­spre­chen­de Zu­satz­ver­si­che­rung bei der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung ab­ge­schlos­sen wurde.

Wird die AU allerdings zu spät oder gar nicht eingereicht, hat der Arbeitgeber das Recht darauf, die Lohnfortzahlung für die entsprechenden Fehlzeiten zu verweigern und kann eine Abmahnung erteilen. Wird die Krankschreibung auch nach mehrmaliger Aufforderung des Arbeitgebers nicht nachgereicht, kann dies sogar eine Kündigung rechtfertigen. Ebenso gilt das Recht auf das Einbehalten des Lohns bei einer selbstverschuldeten Arbeitsunfähigkeit (wie beispielsweise einem Unfall unter Alkoholeinfluss). 

Achtung: Da Ärzte in der Regel für maximal zwei Wochen am Stück eine Krankschreibung ausstellen dürfen, ist es wichtig, eine Folgebescheinigung einzuholen, die ohne Unterbrechung alle Krankheitstage abdeckt, um Krankengeld zu erhalten. Wird die Folgebescheinigung mit einer Unterbrechung von ein paar Tagen oder nach einer Frist von 7 Tagen bei der Krankenkasse eingereicht, ruht der Anspruch auf Krankengeld für diese Zeit und der Arbeitnehmer muss gegebenenfalls auf das Krankengeld verzichten.

Digitale AU

Derzeit gibt es als Nachweis der Krankschreibung drei Dokumente in Papierform vom behandelnden Arzt. Ein Zettel ist beim Arbeitgeber einzureichen, um die Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen. Ein anderer muss an die Krankenkasse geschickt werden. Der Grund der Erkrankung (Diagnose) ist nur in der Bescheinigung für die Krankenkasse aufgeführt. Der dritte Zettel ist für die eigenen Unterlagen.

In Zukunft soll mithilfe der Einführung einer elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zur lückenlosen Dokumentation Aufwand, Menge an Papier und  Kosten reduziert werden. Ab 2021 sollen Ärzte die AU-Bescheinigung einfach per Mausklick an die Krankenkasse übermitteln. Die Krankenversicherung, die ohnehin die Daten durch den Arzt erhält, stellt die AU-Daten zum Abruf bereit. Damit wird der Arbeitgeber digital über Beginn und Dauer der Arbeitsunfähigkeit seines gesetzlich versicherten Arbeitnehmers informiert und ebenso darüber, wann die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ausläuft. 

Anspruch auf Krankengeld bei Erkrankung des Kindes

Muss ein krankes Kind betreut werden, haben Arbeitnehmer Anspruch auf eine unbezahlte Freistellung von ihrem Arbeitgeber.

  • Bei verheirateten Paaren besteht für jedes Elternteil pro Kind ein Anspruch auf zehn Kinderkrankentage im Jahr, bei mehr als zwei Kindern ist der Anspruch auf maximal 25 Tage im Jahr pro Elternteil gedeckelt.
  • Alleinerziehenden stehen 20 Tage pro Kind zu, bei mehr als zwei Kindern höchsten 50 Tage.
  • Ist ein Kind unheilbar krank, haben Angestellte unbegrenzten Anspruch auf unbezahlten Urlaub.***

Wenn es im Tarif- oder Arbeitsvertrag nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, ist der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Arbeitnehmer bis zu 5 Tage bezahlten Sonderurlaub zu gewähren. Im Anschluss greift die Regelung zum Krankengeld über die gesetzlichen Krankenkassen. Die Krankenkasse des betreuenden Elternteils berechnet das Kinderkrankengeld, zahlt es an ihren Versicherten aus und führt die Beiträge zur Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ab. Tage, an denen Arbeitgeber ihre Beschäftigten bezahlt freistellen, werden hierauf angerechnet. An diesen Tagen ruht das Kinderkrankengeld.

Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch auf Kinderkrankengeld, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: ****

  • Anspruch auf Krankengeld 
  • Ärtzliches Attest liegt vor, dass sie zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege ihres erkrankten und gesetzlich versicherten Kindes der Arbeit fernbleiben müssen
  • keine andere im Haushalt lebende Person dies übernehmen
  • das Kind ist unter 12 Jahre alt oder behindert und auf Hilfe angewiesen

Privatversicherte haben in der Regel keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Auch bei Ihnen gilt, dass wenn es im Tarif-/ Arbeitsvertrag nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, der Arbeitgeber verpflichtet ist, dem Arbeitnehmer bis zu 5 Tage bezahlten Sonderurlaub zu gewähren.

Krankheit und Urlaub

Der gesetzliche Mindesturlaub soll der Entspannung und der Erholung von der Arbeit dienen und darf nicht vertraglich gekürzt werden.

Arbeitstage, an denen eine Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen wird, dürfen nicht auf den Jahresurlaub angerechnet werden. Dies gilt auch, wenn ein Arbeitnehmer während seines Urlaubs krank wird. Ein Beschäftigter unterliegt auch hier der Pflicht, den Arbeitgeber unverzüglich über seine Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer zu unterrichten.


Das Urlaubs- & Abwesenheitstool von HeavenHR

HeavenHR unterstützt Sie dabei, Abwesenheiten von Beschäftigten im Überblick zu behalten. Arbeitnehmer können im Mitarbeiter-Account über die Software Abwesenheitsanträge erstellen und die AU direkt digital hochladen. Durch den digitalen Dokumenten-Upload geht keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mehr verloren. HeavenHR zeigt Ihnen zudem automatisch an, wenn bei einem Abwesenheitsantrag Nachweise fehlen.

——-> geschrieben von Leonie Bölke (Marketing HeavenHR)

*§ 5 Absatz 1 EntgFG

** § 3 Absatz 1 EntGFG

*** § 45 SGB V

**** § 45 Abs. 1 SGB V

Anmerkung: Die auf unserer Seite veröffentlichten Informationen werden mit größter Sorgfalt verfasst und überprüft. Dennoch sind Gesetze und Regelungen einem stetigen Wandel unterworfen. Wir garantieren nicht für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen. Unser Web-Angebot dient lediglich dem unverbindlichen Informationszweck und stellt  keine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne dar.

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