BAV: Was man bei einer betrieblichen Altersvorsorge beachten muss!

Mehr als 30 Millionen Deutsche verlassen sich auf die gesetzliche Rente und vernachlässigen dabei die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Allerdings ist der demografische Wandel mit jedem Jahr mehr spürbar. Die Lebenserwartung der Deutschen steigt, aber gleichzeitig bleibt die Geburtenraten seit Jahrzehnten auf einem zu niedrigen Niveau.

Das hat zur Folge, dass immer weniger Erwerbstätige der steigenden Anzahl an Rentnern gegenüberstehen. Das Versorgungsniveau der Rente wird mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter nicht mehr ausreichen, um den eigenen Lebensstandard zu halten. Daher wird eine zusätzliche Vorsorge für viele Berufstätige immer wichtiger. Nicht selten fällt dabei der Begriff der “betrieblichen Altersversorgung”, kurz bAV.

Was ist eine bAV?

Eine betriebliche Altersversorgung ist eine Leistung des Arbeitgebers, die er seinem Arbeitnehmer zur Alters-, Berufsunfähigkeits- oder Hinterbliebenenversorgung anbietet.

In den meisten Fällen der betrieblichen Altersvorsorge zahlt der jeweilige Betrieb einen bestimmten Geldbetrag in einen Vertrag zur Altersvorsorge ein. In der Regel wird dieser Betrag auf dem Lohnzettel monatlich ausgewiesen und gegebenenfalls von dem Bruttogehalt des Arbeitnehmers abgezogen – ähnlich wie die Steuern und die Abgaben zur Sozialversicherung. Seit 2002 haben sämtliche Arbeitnehmer das Recht auf eine bAV, welche der Arbeitgeber anbieten muss.

Welche Durchführungswege gibt es?

Bei der bAV gibt es fünf Optionen für Mitarbeiter, auch Durchführungswege genannt, die staatlich gefördert werden. Der Arbeitgeber ist außerdem dazu verpflichtet, mindestens einen dieser Wege anzubieten:

  • Direktzusage – Eine Direktzusage findet sich vor allem bei Führungspersönlichkeiten und Geschäftsführern. Dabei verspricht der Arbeitgeber beim Antritt in die Rente eine Betriebsrente auszuzahlen.
  • Unterstützungskasse – Der Arbeitgeber zahlt die Beiträge in eine Unterstützungskasse ein, die durch eine Versicherung rückgedeckt sind. Hier fungiert der Arbeitgeber als Trägerunternehmen.
  • Direktversicherung – Das gängigste Modell der bAV ist mitunter die Direktversicherung. Bei dieser Art der Versicherung schließt der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer eine Rentenversicherung ab und leitet die Beiträge an diese weiter.
  • Pensionskasse – Der Arbeitgeber zahlt die Beiträge an eine Pensionskasse. Die Kasse zahlt dann aus dem eigenen Vermögen bei Eintritt in die Rente die Betriebsrente aus.
  • Pensionsfonds – Bei einem Pensionsfonds gelten dieselben Rahmenbedingungen wie bei der Direktversicherung und der Pensionskasse. Hierbei sind bei den Investitionen allerdings höheren Renditen möglich. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass damit auch ein höheres Risiko einhergeht.

Warum Direktversicherung?

Durch die Entgeltumwandlung entsteht auf jeden Fall ein finanzieller Vorteil. Dabei können Mitarbeiter relativ frei und flexibel bestimmen, wie hoch die Anteile des Bruttogehalts ausfallen sollen, die sie für Ihre bAV verwenden. Mit einer Direktversicherung können Arbeitnehmer den Vertrag auch bei einem Arbeitgeberwechsel auf das neue Unternehmen übertragen. Der neue Arbeitgeber ist zwar nicht dazu verpflichtet die vorherigen Arbeitgeberbeiträge beizusteuern, aber der Vertrag kann kostenfrei umgeschrieben werden. Außerdem verfallen bei einem Arbeitgeberwechsel bisher angesammelte Ansprüche in der bAV nicht. Das gilt auch, wenn das Unternehmen insolvent wird oder der Arbeitnehmer auf ALG I oder ALG II angewiesen sein sollte.

Eine bAV in Form einer Direktversicherung ist für den Arbeitgeber einfach einzuführen, kostenarm zu verwalten und sehr flexibel in der Handhabung. Durch die Methode der Entgeltumwandlung entstehen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanzielle Vorteile. Außerdem können Sie die Beiträge recht einfach anpassen. Eine zusätzliche Arbeitgeber-Förderung lässt sich zudem gut implementieren.

Warum lohnt sich bAV?

An und für sich ist es heutzutage sinnvoll nicht allein auf die gesetzliche Rente zu bauen, sondern selbst bei der Altersvorsorge aktiv zu werden. Bei der bAV entscheidet der Arbeitgeber, was er anbieten möchte. Daher ist es wichtig zu beachten, wie der Chef die betriebliche Altersvorsorge ausgestaltet und wie die eigenen Pläne aussehen. Dabei sind drei Szenarien möglich.

Szenario 1

Zum einen, dass der Arbeitgeber die bAV seiner Mitarbeiter allein finanziert. Sollte dies der Fall sein, können sich die Mitarbeiter über eine zusätzliche Vergütung freuen und für das Unternehmen ist es eine günstige Art der Gehaltserhöhung.

Szenario 2

Zum anderen besteht die Möglichkeit, als Arbeitnehmer einen Teil seines Gehalts umzuwandeln und somit eigenständig einen Teil seines Bruttolohns in einen bAV-Vertrag einzuzahlen. Dieses Verfahren nennt man Entgeltumwandlung. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer die Vorsorge zahlt, noch bevor Steuern und Sozialversicherungs­beiträge wie Kranken- und Rentenversicherung abgezogen werden. Durch das geringere Bruttogehalt spart der Arbeitnehmer somit an Sozialversicherungsabgaben und Steuern.

Szenario 3

Arbeitgeber und Arbeitnehmer können die bAV auch zusammen tragen. Ab 2019 ist der Arbeitgeber sogar dazu verpflichtet 15 Prozent bei der Entgeltumwandlung beizusteuern. Manche Unternehmen zahlen schon jetzt 15 Prozent oder mehr. Jeder Arbeitnehmer kann sich bei seinem Chef darüber informieren, wie viel das Unternehmen dazu gibt.

Dank des Betriebsrentenstärkungsgesetzes, welches seit dem 1. Januar 2018 in Kraft ist, dürfen Beträge von bis zu 6.240 Euro pro Jahr (statt bislang maximal 3120 Euro) per Entgeltumwandlung in die bAV fließen. Dabei fallen bei baV-Beiträge bis zu 260 Euro im Monat keine Sozialabgaben an und bei Beiträgen bis zu 520 Euro keine Steuern.

Wie funktioniert die Entgeltumwandlung?

Wie bereits erwähnt, kann der Arbeitnehmer den Beitrag von seinem Bruttogehalt direkt in die bAV einzahlen. So kann der Arbeitnehmer während der Ansparphase Steuern sparen und kann automatisch mehr zurücklegen. Rentner profitieren, im Vergleich zu Erwerbstätigen, außerdem meist von einem günstigeren Steuersatz, weswegen sich eine bAV lohnt.

Ein Beispiel:

Ein 30-Jähriger, in der Steuerklasse 1, kommt bei einem Bruttogehalt von ca. 3.000 Euro auf ein Nettogehalt von ca. 1.935 Euro. Er entscheidet sich nun 150 Euro in die bAV einzuzahlen. Das Bruttogehalt schrumpft somit auf 2.850 Euro und das Nettogehalt auf ca. 1.855 Euro. Im Gegensatz zur privaten Vorsorge wird bei der bAV nichts mehr vom netto abgezogen. Bei einer privaten Vorsorge und demselben Betrag von 150 Euro, würde das Nettogehalt auf 1.785 Euro schrumpfen. Das Nettogehalt ist bei der Entgeltumwandlung im Vergleich zur regulären Gehaltszahlung lediglich um 80 Euro niedriger. Es werden aber 150 Euro in die Altersvorsorge eingezahlt.

Der Arbeitnehmer erhält unterm Strich zwar etwas weniger Nettogehalt, doch er kann dafür einen höheren Beitrag für seine Altersvorsorge leisten. Zudem kommt noch eine Förderung der Arbeitgeber hinzu, welche in der Regel zwischen 15 und 20 Prozent liegt. Anhand des Beispiels wären es somit 125 Euro Eigenanteil und 25 Euro zusätzliche Förderung durch den Arbeitgeber. Das bedeutet, dass der Eigenaufwand sich von 80 Euro auf 65 Euro netto reduziert.

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Was bei der bAV beachtet werden muss:

Zwar sparen Arbeitnehmer durch die bAV Steuern und Sozialabgaben ein, die Leistungen im Alter werden allerdings nachgelagert versteuert und mit Sozialabgaben belegt. Auch wenn ein bAV-Vertrag sich durch das geringere Einkommen im Ruhestand lohnt, sollte dies nicht vergessen werden. Darüber hinaus spielen auch die eigenen beruflichen Pläne eine Rolle. Bei Abschluss einer Zusatzrente sollte bedacht werden, dass nicht jeder bAV-Vertrag von einem neuen Arbeitgeber übernommen werden muss.

Meist arbeiten Unternehmen mit bestimmten Versicherungsunternehmen zusammen und Verträge anderer Versicherungen werden daher nicht zwangsläufig übernommen. Aber auch hier gibt es die gesetzliche Option des Übertragungsabkommens, wobei das Kapital des ersten Vertrages kostenfrei in einen neuen Vertrag übernommen werden kann. Die Konditionen zwischen dem neuen und dem alten Vertrag können allerdings voneinander abweichen.

Abschließend ist zu sagen, dass die betriebliche Altersvorsorge dann für Arbeitnehmer sinnvoll ist, wenn sie eine alternative finanzielle Absicherung für die Zukunft suchen. Allein durch die Möglichkeit der Entgeltumwandlung entsteht ein finanzieller Vorteil und die kommende Förderungspflicht durch den Arbeitgeber macht die Vorsorge zusätzlich attraktiver. Je höher diese Förderung ausfällt, umso besser.

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Verfasst von Sophia Scheffler (Marketing HeavenHR)

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