Ghosting im Job: Was tun bei Funkstille nach der Bewerbung?

Der Begriff ‚Ghosting‘ wird oftmals beim Online-Dating verwendet. Das englische Wort bedeutet übersetzt soviel wie ‚Vergeisterung‘ und beschreibt den überraschenden Kontakt- und Kommunikationsabbruch ohne Vorwarnung. Jegliche Kontaktversuche bringen nichts und totale Funkstille ist das Resultat. 

Dass man beim tindern oder auf anderen Dating Seiten geghosted wird, scheint die neue Normalität zu sein. Das Ghosting findet aber nicht nur Gebrauch im Online-Dating, sondern taucht auch immer wieder bei der Jobsuche und Bewerbung, sowie am eigenen Arbeitsplatz auf. Dabei gibt es drei verschiedene Arten des ‘Ghostings’ während des Bewerbungsprozesses, auch ‘Job-Ghosting’ genannt.  Man differenziert dabei zwischen Recruiter Ghosting, Candidate Ghosting und Employee Ghosting. 

Was diese Begriffe genau bedeuten, wodurch Sie verursacht werden und wie Recruiter vorbeugen können geghosted zu werden lesen Sie in diesem Blogartikel. 

Candidate Ghosting 

Es kommt immer wieder mal vor, dass Kandidaten nach einem Bewerbungsgespräch ohne eine Vorwarnung untertauchen und einfach unerreichbar für Recruiter sind. Sogar, wenn das Unternehmen diesen einen Arbeitsvertrag anbieten möchte, kommt weder eine Zusage noch Absage. Dieser plötzliche Kontaktabbruch wird als sogenanntes ‚Candidate Ghosting‘ oder ‚Applicant Ghosting‘ bezeichnet und ist wahrscheinlich einer der größten Schrecken für einen HR-Verantwortlichen.

Recruiter Ghosting

Wer kennt es nicht? Man schickt unzählige Bewerbungen raus und erhält kein Lebenszeichen vom Unternehmen. Das ‚Recruiter Ghosting‘ beschreibt die Situation, wenn Bewerber einer Stellenanzeige keine Antwort mehr von dem Unternehmen oder der Personalabteilung erhalten. Dabei wird nicht mit dem Bewerber kommuniziert. Es werden keine Empfangsbestätigung, Einladung zum Bewerbungsgespräch noch Absage mitgeteilt. 

Auch ein Kontaktabbruch nach einem Bewerbungsgespräch zählt als Recruiter Ghosting. Dabei wird ein Bewerber zwar zum Vorstellungsgespräch eingeladen und angehört, erhält aber im Nachgang keine weiteren Informationen, Zusage noch Absage. 

Employee Ghosting

Unter anderem gibt es auch das Ghosting am Arbeitsplatz. Von einem Tag auf den anderen meldet sich ein Mitarbeiter einfach nicht mehr und ist wie vom Erdboden verschluckt. Nicht mehr aufzufinden und unerreichbar. Diese Art von Kontaktabbruch wird als ‚Employee Ghosting‘ bezeichnet und ist wahrscheinlich mit einer der schlimmsten Abgänge, die ein Mitarbeiter hinlegen kann. 

Ghosting ist in all den oben genannten Fällen ein unangebrachtes und auch ziemlich freches Verhalten, egal von wem das Ghosting ausgeht. Es ist nicht nur respektlos, sondern verschwendet auch die Zeit aller beteiligten Parteien. Ghosting vermittelt Bewerbern ein Gefühl von Selbstzweifel und Geringschätzung. Recruiter und Arbeitgeber dagegen verschwenden unnötige Zeit und müssen doppelte Arbeit leisten. 

Im weiteren Text gehen wir näher auf die ersten beiden Ghosting Arten ein und erklären Ihnen warum es eigentlich so oft zum Ghosting kommt und was Arbeitgeber dagegen unternehmen können.

Ghosting im Job: Warum gibt es Ghosting überhaupt?

Das Ghosten, das vom Arbeitgeber ausgeht hat oftmals seinen Ursprung im Unternehmen. Gründe dafür können wie folgt sein:

  • Scheinausschreibungen: Bei Scheinabschreibungen, auch Pro-Forma-Ausschreibung genannt, werden intern bereits belegte Stellen trotzdem nach außen getragen. Dies hat oftmals juristische Gründe, bei denen dies Stellen öffentlich ausgeschrieben werden müssen. 
  • Testrunde von Anzeigen: Um zu schauen, wie manche Jobstellen auf Bewerber wirken und um zu sehen, wie viele Bewerbungen hereinkommen, stellen manche Unternehmen probehalber Stellenanzeige live. 
  • Wettbewerbsdruck: Auch um mit dem Wettbewerb mitzuhalten, schalten manche Anzeigen öffentlich, um zu zeigen, dass Sie auch im Wachstum sind, obwohl Sie gar keine neuen Kollegen einstellen. 
  • Budget Kürzungen: Manchmal kommt es auch vor, dass ein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten gerät und sich neue Mitarbeiter nicht mehr leisten kann. In hektischen Zeiten kann es daher ab und zu mal passieren, dass die Anzeige nicht rechtzeitig entfernt wird. 
  • Recruiter ist krank: Auch ein Personalverantwortlicher wird mal krank und bei fehlender Vertretung können Vorgänge auch mal stagnieren. 
  • Bearbeitungsfehler: Besonders im heutigen Zeitalter der Online-Bewerbungen kommt es häufig zu technischen Fehlern. Dabei werden oftmals Dokumente oder Bewerbungen nicht richtig vermittelt und bleiben ungelesen. Wodurch weder eine Einladung zum Vorstellungsgespräch noch eine Absage erfolgt. 
  • Zu viele Bewerbungen: Auch eine große Anzahl an Bewerbungen kann, zu einer Überlastung der Personalabteilung führen. Es kommt auch mal vor, dass vor lauter Bewerbungen ein Bewerber übersehen oder gar nicht in Betracht gezogen werden kann, aufgrund der hohen Nachfrage.

Auch ein unprofessionelles Verhalten von dem Unternehmen kann schlicht und weg der einfache Grund für das Ghosting sein. Jedoch kann dieses Verhalten nicht nur die davon betroffenen Personen verschrecken, sondern auch die Employer Experience verschlechtern.

Wenn Bewerber einen potenziellen Arbeitgeber ghosten, liegt das meist an dem Unternehmen. Entweder hat das Vorstellungsgespräch nicht überzeugt oder man hat es sich nach Versand der Bewerbung doch nochmal anders überlegt. Das Gefühl der Job und das Umfeld wären unpassend kann mit eines der Gründe sein. Auch Angst vor einem Vorstellungsgespräch sowie die Annahme eines anderen Jobangebots können dazu führen, dass sich ein Bewerber einfach nicht mehr meldet und unerreichbar wird. 

6 Tipps für Recruiter – Ghosting durch Bewerber vorbeugen

1. Immer antworten

Auch wenn es manchmal einfacher erscheint abzutauchen und einen unpassenden Kandidaten nicht mehr zu kontaktieren, ist es dennoch schlecht für das Image des Unternehmens. Schlechte Erfahrungen mit Arbeitgebern sprechen sich schnell rum. Daher sollten diese möglichst vermieden werden, um die Employer Brand nicht zu schädigen. Keine Antwort ist nämlich auch eine Antwort. Stattdessen sollten Sie andere so behandeln wie Sie gerne behandelt werden würden. Arbeitgeber sollten daher immer versuchen zu antworten. 

2. Bewerbungsprozesse optimieren

Unzählige Bewerbungen zu managen kann einen Personaler schon mal überfordern. Vor allem, wenn man abwartet bis viele Bewerbungen eingegangen sind. Behalten Sie im Überblick auf welchen Jobbörsen Ihre Stellenanzeigen gepostet worden sind. Checken Sie regelmäßig die verschiedenen Job-Portale oder nutzen Sie Softwares fürs Bewerbermanagement. 

Mit HeavenHR Recruiting können Sie Ihre Stellenanzeigen auf mehreren Jobbörsen gleichzeitig veröffentlichen und eingegangene Bewerbungen direkt über die Plattform einsehen. Alles auf einem Blick. Außerdem sollten Sie versuchen eingegangen Bewerbungen direkt zu analysieren und geeignete Kandidaten zu einem zeitnahen Vorstellungsgespräch einzuladen. Wenn Sie jemand geeignetes finden, trauen Sie sich und stellen Sie die Person ein ohne auf weitere Bewerbungen zu hoffen und zu warten.

3. Automatisierte E-Mails

Auch wenn automatisierte Nachrichten erstmal unpersönlich wirken, sind sie dennoch besser als gar nicht zu antworten. Informieren Sie Ihre Bewerber über den Bewerbungsverlauf und kommunizieren Sie voraussichtliche Fristen und Zeiten. Somit werden Bewerber nicht im Ungewissen gelassen und können sich auf eine gegebenenfalls längere Wartezeit einstellen.

Mit HeavenHR Recruiting können Sie Ihre E-Mail Vorlagen ganz einfach abspeichern und automatisieren. Dabei können Sie einstellen, wann Bewerber eine Bestätigungsmail erhalten sollen.

Mehr zu HeavenHR’s Recruiting-Modul und dessen Features erfahren Sie hier.

4. Nicht nur E-Mails und Anrufe nutzen

Besonders die neue Generation der Millennials und Gen-Z checken Ihre E-Mails nicht besonders oft und gehen bei Anrufen häufig nicht dran. Wenn Sie erfolgreich mit Ihnen kommunizieren möchten, dann schicken Sie auch mal eine WhatsApp Nachricht oder zumindest eine SMS. Diese Nachrichtenart wird von jungen Kandidaten oftmals schneller gelesen und der Bewerber weiß direkt, um was es geht.  Hierfür ist es ratsam sich für das Firmenhandy ein WhatsApp Business Konto anzulegen. Darüber können Sie Ihre Unternehmenskontakte nicht nur labeln, sondern auch vorgefertigte Schnellantworten abspeichern und nutzen. 

5. Bleiben Sie in Erinnerung

Informationen nur via automatisierter Benachrichtigungen zu kommunizieren ist bis zu einem gewissen Punkt förderlich. Es sollte aber nicht nur bei dieser unpersönlichen Nachricht bleiben. Wenn Sie es schaffen einem Kandidaten im Gedächtnis zu bleiben, verringern Sie damit auch die Chancen geghosted zu werden. Gestalten Sie auf den Kandidaten maßgeschneiderte E-Mails oder Nachrichten, um eine persönliche Note mit einzubringen. So fühlen sich die Bewerber wahrgenommen und wertgeschätzt und tendieren eher dazu auch zu antworten.

6. Machen Sie Ihr Unternehmen schmackhaft für Bewerber

Machen Sie den Bewerbern ein Angebot, das Sie nicht abschlagen können. Sie suchen jemanden der qualifiziert ist und gute Leistung erbringen soll, dann zeigen Sie auch was Ihnen Ihre Mitarbeiter Wert sind. Es muss sich nicht nur auf den Lohn beschränken. Auch andere Mitarbeitervorteile wie flexible Arbeitsstunden oder ein Bahn- und Bus Ticket für den Nahverkehr können den Unterschied machen. Heben Sie sich von der Konkurrenz ab. Bei optimalen Arbeitskonditionen werden Bewerber zögern Sie zu ghosten.

Verfasst von Luciana Müller (HeavenHR Marketing)

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*Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird in dem vorliegenden Text die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung, als geschlechtsneutral zu verstehen sein.