Jahreswechsel: Das kommt 2022 auf Arbeitgeber zu!

Mit dem Jahresende und Jahreswechsel kommen viele Änderungen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu. Was Arbeitgeber da genau erwartet und auf welche Gesetzesänderungen sie sich gefasst machen können, lesen Sie in diesem Beitrag.

Veränderungen bei der Bezugs- und Jahresentgeltgrenze

Am 8. September 2021 wurde der Referentenentwurf der Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung fürs neue Jahr 2022 veröffentlicht. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) legt darin die neue Jahresentgeltgrenze (JAEG), Beitragsbemessungsgrenzen und Bezugsgrößen fest. Diese werden erstmals von der Bundesregierung beschlossen und von dem Bundesrat abgesegnet, bevor sie im Gesetzesblatt veröffentlicht werden. Die folgenden Werte treten ab dem 1. Januar 2022 in Kraft. 

Jahresentgeltgrenze bleibt unverändert

Die allgemeine Jahresentgeltgrenze (JAEG) – auch bekannt als Versicherungspflichtgrenze – bestimmt, ab welcher Summe des jährlichen Bruttoarbeitsentgelts ein Arbeitnehmer automatisch von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV) wechselt.

Die Jahresentgeltgrenze für 2022 bleibt vorerst unverändert. Genau wie im Jahr 2021 liegt die allgemeine Jahresentgeltgrenze bei 64.350,00 EUR. Die besondere Jahresentgeltgrenze liegt bei 58.050,00 EUR. Jedoch müssen zum Jahreswechsel Änderungen im Entgelt in der Schätzung im Folgejahr mit eingeschlossen werden.

Das Durchschnittsentgelt der gesetzlichen Rentenversicherung vom vorletzten Kalenderjahr stellt die Bezugsgröße dar. Diese Bezugsgröße wird für verschiedene Berechnungen in der Sozialversicherung verwendet. Für die Kranken- und Pflegeversicherung gelten bundesweit die West-Werte und es wird nicht unterschieden. Anders in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Da wird nach West und Ost differenziert. 

  • Ost Werte steigt um 1,1 % → steigt auf 3.150 EUR monatlich (37.800 EUR jährlich)
  • West Werte bleiben unverändert → 3.290 EUR monatlich (39.480 EUR jährlich).

Das Durchschnittsentgelt bezeichnet das Durchschnittseinkommen aller Sozialversicherten in Deutschland. Es stellt eine Rechengröße der Sozialversicherung dar.

Der Durchschnittsentgeltbetrag wird im neuen Jahr niedriger. Der neue Wert liegt dann bei 38.901 EUR.

Rechengröße Veränderung 

Die SV-Rechengrößen für das folgende Jahr werden immer im voraus bestimmt und leiten sich aus den Entwicklungen der Bruttolöhne und -gehälter ab. Durch die Lohnentwicklungen von 2020 bis 2021 konnte man feststellen, dass Arbeitnehmer im Durchschnitt niedrigere Bruttolöhne und -gehälter erhalten haben. 

Im Bundesgebiet sanken diese um 0,15% und in den alten Bundesländern sogar um 0,34%. Die Werte für Ost und West im Jahr 2022 werden als Folge dessen angepasst.

Beitragsbemessungsgrenzen

Beitragsbemessungsgrenzen für alte Bundesländer sinken und steigen in den neuen. Im neuen Jahr werden in den alten Bundesländern wird das Entgelt nur bis 7.050 EUR pro Monat für Beiträge in Betracht gezogen. Somit sinkt die Grenze um 50 EUR. In den neuen Bundesländern dagegen steigt die Obergrenze um 50 EUR und liegt dann bei 6.750 EUR im Monat. Die Kranken- und Pflegeversicherung wird sich in 2022 weiterhin auf 4.837,50 EUR belaufen wie bisher.

Weitere Rechenwerte und Beitragssätze in der Sozialversicherung für 2022 finden Sie hier.

Neue obligatorische Arbeitgeberzuschüsse (Betriebsrentenstärkungsgesetz)

Arbeitgeber müssen im neuen Jahr mit obligatorischen Zuschüssen hinsichtlich der Beitragszuschuss-Regelung für die betriebliche Altersvorsorge rechnen. Die Höhe des Zuschusses wird durch den Beitrag der Sozialversicherungsersparnis des Arbeitgebers bestimmt, beläuft sich aber max. auf bis zu 15 % des Arbeitnehmerbeitrags. 

Außerdem müssen Arbeitgeber mit zusätzlichen Kosten bei laufenden Engeltumwandlungserklärungen rechnen, bei denen früher die Sozialversicherungseinsparungen vom Arbeitgeber umgetrieben wurden und nun ab 2022 als Zulage genehmigt werden müssen. Im Falle, dass der Arbeitgeber bereits vertraglich festgelegte Zuschüsse gewährt, kann er diese ab 2022 generell mit den gesetzlichen Zuschlägen verrechnen. Solange noch keine Einsparungen getätigt wurden sowie die Kompensierung durch Gehaltserhöhungen oder Bonuszuschlägen. 

Erhöhung des Mindestlohns und der Ausbildungsvergütung

Im neuen Jahr steigen Mindestlohn und Ausbildungsvergütung. Als Teil eines vier Stufen Plans wird der Mindestlohn ab dem 1. Januar des neuen Jahres von 9,60 EUR auf 9,82 EUR angehoben. Im Juli folgt dann eine Anpassung auf 10,45 EUR pro Stunde. 

Ebenso soll 2022 die Ausbildungsvergütung wie folgt ansteigen:

  • Zweites Ausbildungsjahr → +18 %
  • Drittes Ausbildungsjahr → + 35 % 
  • Viertes Ausbildungsjahr → + 40 % 

Mehr zum Mindestlohn und zur Ausbildungsvergütung erfahren Sie hier

Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)

Ab 2022 soll die Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) den gelben Schein bzw. das Attest in Papierform ersetzen. Das Meldeverfahren bei Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer soll somit vereinfacht werden. Weniger Bürokratie und eine bessere Übersicht sind die Gründe hierfür. 

Das Startdatum für das Pilotverfahren wurde auf den 1. Juli 2022 verschoben. Somit haben Vertragsärzte bis zum 30. Juli noch die Möglichkeit komplett auf die digitale Übermittlung von AU-Bescheinigungen an Krankenkassen umzurüsten. Die Meldepflicht und Bescheinigung beim Arbeitgeber im Krankheitsfall bleibt weiterhin bestehen.

Umlagesatz U1: Erstattungssatz bis 27. Januar 2022 wählen 

Des Weiteren haben Arbeitgeber, bei Arbeitsunfähigkeit entstandenen Entgeltfortzahlungen, einen Anspruch auf Rückerstattung bis zu einer bestimmten Prozentsatz-Höhe. Arbeitgeber können diesen Erstattungssatz nur zu Beginn des Jahres ändern. Der Stichtag für den Antrag ist der 27. Januar 2022

Arbeitgeber dürfen Urlaub bei Kurzarbeit kürzen

Arbeitgeber dürfen den Urlaub von Mitarbeitern anteilig kürzen, wenn sie tageweise nicht zur Arbeit antreten können. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am 30. November 2021. Diese neue Regelung gilt bei Kurzarbeit Null mit längeren Zeiten ohne Arbeitspflicht. Dadurch besteht für Arbeitnehmer, die vorübergehend komplett ausgesetzt sind, kein anteiliger Anspruch auf Urlaub für die unbeschäftigten Zeiträume. 

Wahlalter für Betriebsrat abgesenkt

Ab 2022 dürfen erstmalig auch Mitarbeiter ab 16 Jahren ihre Stimme für den Betriebsrat abgeben. Um selbst für den Betriebsrat aufgestellt werden zu können, setzt sich aber weiterhin das Mindestalter von 18 Jahren durch. 

Änderungen bei Minijobbern

Ab dem 1. Januar 2022 müssen Arbeitgeber erfassen, bei der Anmeldung von kurzfristigen Minijobbern, bei welcher Versicherung diese Angestellten krankenversichert sind. Außerdem, sollen Arbeitgeber künftig auch mehr Informationen zu Minijobbern erhalten, sowie ob der Angestellte weiteren kurzfristigen Beschäftigungen nachgeht oder in dem Kalenderjahr nachgegangen ist. 

Freigrenze für steuerfreie Sachbezüge steigt

Ab dem 01. Januar 2022 steigt die Freigrenze für den steuerfreien Sachlohn von 44,00 EUR auf 50,00 EUR pro Monat. Des Weiteren können Arbeitgeber Ihren Angestellten ein kleines Extra in Form Gutscheinen oder anderen Sachleistungen mitgeben, welche nicht versteuert werden müssen. Welche Voraussetzungen dafür gelten, lesen Sie hier.

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Verfasst von Luciana Müller (HeavenHR Marketing)

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*Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird in dem vorliegenden Text die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung, als geschlechtsneutral zu verstehen sein.