The Great Resignation: So verhindern Sie die Kündigungswelle im Unternehmen

“The Great Resignation”, oder auf Deutsch “Die große Kündigungswelle”, wurde erstmals in den USA gesichtet. Glauben wir den Studien namhafter Institute, nimmt die Jobwechselbereitschaft der Mitarbeiter:innen auch in Deutschland zu. 

Doch was können Sie gegen die Kündigungswelle im Unternehmen tun? Warum so viele Mitarbeiter:innen derzeit auf der Suche nach einem neuen Job sind und welche Gegenmaßnahmen jetzt helfen, verraten wir Ihnen nachfolgend.

Was ist “The Great Resignation”?

Der US-amerikanische Arbeitspsychologe und Professor Anthony Klotz sprach im Mai 2021 erstmals über die Great Resignation. Seine Theorie: Aufgrund der Pandemie wird es eine große Kündigungswelle und Arbeitsverlagerung geben. Zuerst nur für die USA vorhergesagt, erklärte er später in Interviews, dass dieser Wandel die ganze Welt betreffen wird.

Klotz forschte schon vor seiner These an Arbeitsplatzwechseln und den möglichen Gründen der Mitarbeiter:innen dafür. Der Ursprung für seine These bildete die weltweite Pandemie. Während des ersten „Corona-Jahres“ hatten Beschäftigte Angst, ihren Job zu kündigen. Die Situation war so unsicher und wandelte sich so rasant, dass sie sich für die Stabilität des gegenwärtigen Jobs entschieden.

Im zweiten Jahr aber, so Klotz, startete die Great Resignation. Mitarbeiter:innen hinterfragten ihre Arbeitsstellen, neue Möglichkeiten durch flexiblere Arbeitsmodelle entstanden. Die Weichen für die Great Resignation und den Trend “Quiet Quitting” wurden gestellt, da Beschäftigte nun nicht mehr den Sinn in der Arbeit fanden, sondern neue Hobbys oder Fähigkeiten erlernten. Home-Office und flexiblere Arbeitszeiten machten es möglich.

Was Sie gegen die innere Kündigung Ihrer Mitarbeiter:innen unternehmen können, lesen Sie an anderer Stelle in unserem Blog.

Ist die Great Resignation auch in Deutschland angekommen?

Es gibt mehrere Expert:innen, die eine andere Meinung zur vermeintlichen Kündigungswelle haben. So sprechen einige davon, dass die Great Resignation gar nicht so einmalig ist, sondern öfter vorkommt. Der US-amerikanische Professor Bart Hobijn untersuchte die Great Resignation und erklärte, dass Kündigungswellen besonders nach schnellen wirtschaftlichen Aufschwüngen üblich sind. So üblich, dass das bereits die sechste Welle im 20. Jahrhundert sei.

Er sieht eine Art Symbiose zwischen Fachkräftemangel und Kündigungswelle. Hobijn nennt das die Great Renegotiation, also die große Neuverhandlung. 

Ist die Great Resignation in Deutschland angekommen oder handelt es sich eher um eine große Neuverhandlung?
Ist die Great Resignation in Deutschland angekommen oder handelt es sich eher um eine große Neuverhandlung? (Quelle: shironosov / Getty Images)

Aber wichtiger, als das Klären von Begrifflichkeiten, ist die Frage, ob die Great Resignation auch in Deutschland in Unternehmen eingesetzt hat. Folgende Zahlen sprechen dafür:

  • Laut Engagement Index Deutschland 2021 von Gallup erreicht die Zahl der Beschäftigten auf Jobsuche in Deutschland einen Rekordwert. Befragt wurden 1.500 Arbeitnehmer:innen. 40 Prozent der Befragten schauen sich nach neuen Möglichkeiten um. Jede:r dritte Befragte hat bereits ein Angebot von einem Headhunter bekommen. 
  • Das Unternehmen Cornerstone führte eine Trendstudie zur “Mitarbeiterbindung 2030” durch. Befragt wurden hier vor allem Geschäftsführer:innen und HR-Manager:innen aus Deutschland. Das Ergebnis: 38 Prozent sehen eine wachsende Zahl an Kündigungen von Mitarbeiter:innen seit dem Jahr 2020. Die Top 3 der Gründe sind laut Studie ein niedriges Gehalt, fehlende Karrierechancen und Führungsprobleme. Als größte Herausforderungen sehen Sie, eine gute Führungskultur zu implementieren, die interne Kommunikation zu verbessern sowie die Bindung innerhalb der gesamten Belegschaft zu stärken.
  • Das Unternehmen Xing arbeitete gemeinsam mit Forsa an einer Studie, an der rund 2.500 Mitarbeiter:innen aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz teilnahmen. Der Zeitpunkt der Befragung war Januar 2022. Jede:r vierte Mitarbeiter:in hat den Job seit Pandemiebeginn gewechselt. Etwa die Hälfte der Befragten hat schon mindestens einmal daran gedacht, die Arbeitsstelle zu kündigen. 
  • Laut einer Studie von StepStone wird die große Kündigungswelle in Deutschland bald ankommen. Sie erkennen das an den steigenden offenen Stellen und Bewerber:innen. Befragt wurden 9.000 Arbeitnehmer:innen in Deutschland, in einem Zeitraum von Dezember 2021 bis Januar 2022. 35 Prozent der Befragten denken mehrmals pro Woche an einen Jobwechsel. Nur 15 Prozent beschäftigen sich gedanklich gar nicht mit dem Thema. 

Ob wir es nun also Great Resignation oder anders nennen, ist unerheblich. Eine Kündigungswelle im Unternehmen ist nie schön. Die Fluktuation kostet nämlich viel Geld. Nicht nur, dass die restlichen Mitarbeiter:innen Mehrarbeit auf sich nehmen müssen und die Unzufriedenheit damit steigt. Auch sind das Recruiting und Onboarding sehr kostspielig. 

Eine Kündigungswelle im Unternehmen: Warum so viele Mitarbeiter:innen gehen

Sind Sie von einer hohen Fluktuation bzw. hohen Kündigungswelle im Unternehmen betroffen? Die Gründe können vielschichtig sein. 

Laut der Studie von StepStone aus dem Jahr 2022 sagen 57 Prozent der über 9.000 Arbeitnehmer:innen, dass flexible Arbeitszeiten auf Platz 1 der zentralen Attraktivitätsfaktoren sind. Direkt gefolgt von dem Wunsch nach einer sinnhaften Tätigkeit (54 Prozent) und einer hohen Work-Life-Balance sowie Familienfreundlichkeit (54 Prozent). 

Am wenigsten interessant sind der Standort des Unternehmens sowie die Bekanntheit des Unternehmens. Außerdem hat die Studie alle Top-Vorteile pro Branche aufgeschlüsselt:

BranchePlatz 1 der zentralen Attraktivitätsfaktoren
Beratung und StrategieFlexibles Arbeiten (sagten 71 Prozent der Befragten)
IT und TechnikFlexibles Arbeiten (sagten 80 Prozent der Befragten)
Bildung und SozialesSinnhafte Tätigkeit (sagten 73 Prozent der Befragten)
Gesundheit und PflegeSinnhafte Tätigkeit (sagten 54 Prozent der Befragten)
HandwerkAttraktive Sozialleistungen und Mitarbeiter:innenvorteile (sagten 45 Prozent der Befragten)
Service und DienstleistungenSinnhafte Tätigkeit (sagten 61 Prozent der Befragten)
Ingenieure und TechnikerSpannende Aufgaben (sagten 60 Prozent der Befragten)

Gehalt als möglicher Faktor wurde nicht abgefragt. Oft werden jedoch auch der Führungsstil und Vorgesetzte, eine passende Unternehmenskultur sowie gute Weiterbildungs- und Trainingsangebote als Faktoren genannt.

Doch die Kündigungswelle hat noch andere Gründe. Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich ausgebrannt. Das besagt eine Studie von Future Forum, einem Thinktank von u.a. Slack. Die mentale Gesundheit rückt immer mehr in den Vordergrund – vor allem bei der Generation Z und den jüngeren Millennials. Fühlen sie sich ausgebrannt oder nur noch als Ressource statt als Mensch im Unternehmen, steigt der Kündigungswille dieser beiden Generationen.

Die große Kündigungswelle kann auch mit den steigenden mentalen Problemen und Burnouts unter Arbeitnehmer:innen zu tun haben.
Die große Kündigungswelle kann auch mit den steigenden mentalen Problemen und Burnouts unter Arbeitnehmer:innen zu tun haben. (Quelle: mbteerapat / Getty Images)

Diese Maßnahmen helfen gegen die Great Resignation in Ihrem Unternehmen

Aus den Folgen der großen Kündigungswelle in Deutschland, die wir im Abschnitt davor erklären, können sich leicht Maßnahmen herauslesen lassen. Oftmals fehlt es aber an der Arbeitskraft oder dem Budget dafür. Haben Sie eine große Fluktuation im Unternehmen, kostet das nicht nur Geld, sondern fördert auch die Unzufriedenheit im Unternehmen. Gibt es noch dazu keinen richtigen Wissensaustausch oder einen Ort, an dem Wissen gespeichert wird, geht es mit den kündigenden Mitarbeiter:innen aus dem Unternehmen.

Dementsprechend sollte die Great Resignation keinesfalls in Ihrem Unternehmen Einzug halten. Oft helfen aber nicht nur einzelne Maßnahmen, sondern eher eine Kombination aus vielen. Die gesamte Unternehmenskultur muss sich wandeln, damit Sie keine Kündigungswelle im Unternehmen erleben. 

Schmerzhaft, aber effektiv: Starten Sie mit einer Mitarbeiter:innenbefragung. Wichtig ist, dass sie anonym sein muss, damit Sie ehrliche Antworten erhalten. Ein gutes und kostenloses Tool ist Google Forms. Verschicken Sie in regelmäßigen Abständen Umfragen, die die Zufriedenheit und Faktoren für Verbesserungen abfragen, an das Team. Wichtig ist außerdem, dass Sie den Worten auch Taten folgen lassen und Mitarbeiter:innen spüren, dass Sie die Verbesserungsvorschläge annehmen und dementsprechend handeln wollen. Ohne Ergebnisse werden Ihre Mitarbeiter:innen noch unzufriedener.

Wertschätzung ist das A und O

Eine empathische und offene Kommunikation zwischen Arbeitgeber:in und Arbeitnehmer:in ist Gold wert. Dazu gehört auch, Anerkennung und Wertschätzung für erbrachte Leistungen zu zeigen. 

Das kostet Sie im Grunde gar nichts. Führen Sie regelmäßige Wertschätzung ein, zum Beispiel indem Sie eine neue Kategorie in großen Meetings einführen, bei der tolle Projekte oder Leistungen geehrt werden. Achten Sie hier besonders darauf, dass nicht immer die gleichen Abteilungen oder Personen gelobt werden.

Um der Great Resignation im Unternehmen entgegenzuwirken, sind einige Maßnahmen angebracht. Wertschätzung ist ein gutes Mittel.
Um der Great Resignation im Unternehmen entgegenzuwirken, sind einige Maßnahmen angebracht. Wertschätzung ist ein gutes Mittel. (Quelle: fizkes / Getty Images)

Sprechen Sie auch mit den Vorgesetzten, damit diese regelmäßig ihr Team loben. Wichtig hier: Allgemeine wertschätzende Worte wie “Du machst das immer so toll” sind weniger wert, als Anerkennung zu speziellen Projekten: “Wie du das Problem gelöst hast, fand ich bemerkenswert!”. Das zeigt den Mitarbeiter:innen, dass sie und ihre Arbeit auch wirklich gesehen werden. 

Apropos Leadership: Denken Sie über ein Leadership Coaching nach. Das ist ein hervorragendes Tool, um die Herausforderung der Great Resignation anzugehen. Dadurch können Führungskräfte eine bessere Mitarbeiter:innenbindung etablieren und lernen, Beschäftigte langfristig zu halten. 

Job Crafting als neues Hilfsmittel

Ein anderes ausgezeichnetes Tool gegen eine Kündigungswelle bietet das Job Crafting. Bei dieser Vorgehensweise können Mitarbeiter:innen ihre Arbeit, Arbeitsweise und den Umgang mit ihren Kolleg:innen selbst beeinflussen, um sie ihren Bedürfnissen anzupassen. 

Eine einfache Methode zum Job Crafting: Führen Sie regelmäßige Feedbackgespräche ein und lassen Sie Ihre Mitarbeiter:innen die Antworten auf die beiden folgenden Fragen im Vorfeld vorbereiten:

  1. Welche Aufgaben möchten Sie in Zukunft gern mehr tun?
  2. Welche Aufgaben möchten Sie in Zukunft gern weniger tun?

Das sorgt dafür, dass Sie gemeinsam eine Strategie erarbeiten, welche Persönlichkeitsmerkmale der Person besser zum Aufgabenfeld des Jobs gehören. 

Oft sorgen immer gleiche Aufgaben für Unzufriedenheit. Aber auch Aufgaben, von denen Ihre Mitarbeiter:innen denken, dass sie sinnlos sind. Machen Sie deutlich, welche Auswirkungen diese Aufgaben auf das gesamte Unternehmen haben bzw. in welchem großen Prozess diese Aufgabe eine Rolle spielt. 

Finden Sie gemeinsam die Stärken der Mitarbeiter:innen heraus, fragen Sie nach eigenen Zielen und setzen Sie am Ende des Gesprächs welche. Diese können auch auf den Potenzialen der Mitarbeiter:innen aufbauen. Findet ein:e Mitarbeiter:in beispielsweise, dass er bzw. sie noch zu schüchtern ist und will das gern ändern? Lassen Sie die Person kleinere Präsentationen abhalten und geben Sie am Ende Feedback. Sie können auch Kolleg:innen, die gut präsentieren können, bitten, dieser Person ein Coaching zu geben.

Unsere Tipps gegen die Great Resignation im Unternehmen: offene und ehrliche Gespräche.
Unsere Tipps gegen die Great Resignation im Unternehmen: offene und ehrliche Gespräche. (Quelle: PeopleImages / Getty Images)

Weitere Maßnahmen gegen die Kündigungswelle im Unternehmen

Denken Sie an die Mitarbeiter:innenbindung im Unternehmen. Hybrides Arbeiten, flexible Arbeitszeiten und eine gute Unternehmenskultur mit gelebten Werten binden Beschäftigte. Diverse Studien bestätigen, dass Mitarbeiter:innen mit einer hohen emotionalen Bindung an das Unternehmen weniger bereit sind, zu wechseln.

Wichtig ist auch, dass Sie aktuelle Zahlen aus dem HR-Bereich kennen. Eine Software wie HeavenHR zeigt Ihnen alle wichtigen Kennzahlen, wie beispielsweise die Abgänge im Unternehmen. Behalten Sie damit immer im Blick, wie bzw. ob Ihre Maßnahmen funktionieren. 

Natürlich sollten Sie auch Ihre Benefit-Strategie im Unternehmen bedenken. Hier ist es besonders wichtig, dass Ihre Mitarbeiter:innenvorteile nicht an Ihren Beschäftigten vorbeigehen und wirklich funktionieren. Wie Sie gute Benefits finden, erklärt eine Expertin an anderer Stelle in unserem Blog. 

Victoria arbeitet im Marketing von HeavenHR. Gemeinsam mit ihren Kolleg:innen stellt sie interessante Artikel, Tipps und News aus der HR-Welt zusammen.

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